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Menopause – wenn sich der Hormonhaushalt verändert

Menopause

Welche Beschwerden können auftreten?

Die Menopause ist keine Erkrankung, sondern ein natürlicher Abschnitt im Leben jeder Frau. Bereits mehrere Jahre vor der letzten Regelblutung beginnt jedoch die Perimenopause: Die Funktion der Eierstöcke wird unregelmäßiger, und die Produktion von Östrogen und Progesteron schwankt zunehmend.  Mit dem endgültigen Ausbleiben der Regelblutung – der Menopause – kommt es zu einem dauerhaften Abfall der Eierstockhormone. Die Folgen können weit über Hitzewallungen hinausgehen. Östrogen beeinflusst unter anderem Knochen, Gefäßsystem, Gehirn, Haut, Schleimhäute und den Stoffwechsel.

Die Beschwerden sind von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Häufig sind:

  • Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen und nächtliches Erwachen
  • Erschöpfung und Leistungsminderung
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmung
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Herzklopfen
  • Libidoverlust
  • Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • wiederkehrende Harnwegsinfekte und Blasenbeschwerden
  • trockene Haut und Veränderungen von Haaren und Bindegewebe
  • zunehmende Fettverteilung am Bauch und Veränderungen des Stoffwechsels

Nicht jede dieser Beschwerden ist zwangsläufig hormonell bedingt. Gerade deshalb ist eine individuelle Anamnese wichtig.

Warum kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein?

Ein wesentlicher Grund für die lange Zeit sehr zurückhaltende Haltung gegenüber Hormonen war die Women’s Health Initiative (WHI). In dieser Studie waren viele Frauen im Durchschnitt bereits etwa 63 Jahre alt und damit häufig deutlich weiter von der Menopause entfernt, als es bei einem heutigen Therapiebeginn der Fall ist. Bereits die Nurses’ Health Study aber hatte dagegen Hinweise darauf geliefert, dass Frauen, die näher am Beginn der Menopause mit einer Hormontherapie beginnen, hinsichtlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gesamtmortalität günstiger abschneiden können. Da es sich hierbei um eine Beobachtungsstudie handelt, kann sie allerdings keine Kausalität beweisen.

Heute wird deshalb zunehmend zwischen einer Hormontherapie früh in der Menopause bei gesunden Frauen und einem erstmaligen Therapiebeginn in höherem Alter unterschieden. Internationale Fachgesellschaften haben ihre Empfehlungen inzwischen teilweise angepasst, wobei viele Leitlinien die systemische Hormontherapie weiterhin primär zur Behandlung menopausaler Beschwerden und nicht als alleinige Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlen.

Das „Timing“-Problem der Menopause

Eine Behandlung mit Estradiol und – bei vorhandener Gebärmutter – Progesteron kann nicht nur Hitzewallungen und Schlafstörungen lindern, sondern hat zahlreiche weitere Wirkungen. Östrogen verhindert den beschleunigten Knochenabbau nach der Menopause und reduziert dadurch das Risiko osteoporotischer Frakturen. Darüber hinaus beeinflusst es Gefäßfunktion, Stoffwechsel und Körperzusammensetzung günstig. Wird eine Hormonersatztherapie vor dem 60. Lebensjahr bzw. innerhalb von etwa zehn Jahren nach der Menopause begonnen, ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei gesunden Frauen besonders günstig. Beobachtungs- und Interventionsdaten sprechen in dieser Altersgruppe auch für günstige kardiovaskuläre Effekte und in verschiedenen Studien auch ein geringeres Risiko für Darmkrebs.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Frauen über 45 Jahren ist eine routinemäßige Hormonbestimmung meistens nicht erforderlich. Die Diagnose von Perimenopause und Menopause ergibt sich in der Regel aus Alter, Zyklusveränderungen und typischen Beschwerden. Hormonwerte schwanken während der Perimenopause erheblich und können deshalb eine falsche Sicherheit vermitteln. Bei jüngeren Frauen, insbesondere bei Verdacht auf eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz oder eine frühe Menopause, kann dagegen eine gezielte Bestimmung von FSH und Estradiol sinnvoll sein. Vor einer systemischen Hormonersatztherapie werden außerdem individuelle Risikofaktoren erfasst. Dazu gehören insbesondere Blutdruck, Gewicht, kardiovaskuläre Risiken, familiäre und persönliche Krankengeschichte sowie die gynäkologische Anamnese. Die regulären Vorsorgeuntersuchungen einschließlich Mammographie werden entsprechend dem individuellen Alter und Risiko durchgeführt.

Wie erfolgt die Hormonersatztherapie?

Wenn eine systemische Therapie sinnvoll ist, wird vorzugsweise 17β-Estradiol, also chemisch identisches („bioidentisches“) Estradiol, eingesetzt. Es kann beispielsweise als Gel oder transdermales Pflaster verabreicht werden. Bei Frauen mit Gebärmutter muss zusätzlich mikronisiertes Progesteron gegeben werden. Es schützt die Gebärmutterschleimhaut vor einer durch Östrogen verursachten Überstimulation und damit vor Endometriumhyperplasie und Endometriumkarzinom. Frauen nach vollständiger Entfernung der Gebärmutter benötigen in der Regel kein Progesteron. Die Dosierung wird individuell nach Beschwerden, Alter, Zeitpunkt der Menopause und Risikoprofil eingestellt. Eine transdermale Estradiolgabe hat insbesondere bei Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko Vorteile gegenüber oralem Östrogen.

Wann darf eine systemische Hormonersatztherapie nicht durchgeführt werden?

Eine systemische Hormonersatztherapie kommt insbesondere nicht infrage bei:

  • bestehendem oder anamnestischem Brustkrebs bzw. bestimmten hormonabhängigen Tumorerkrankungen
  • bekanntem oder vermutetem Endometriumkarzinom
  • ungeklärten vaginalen Blutungen
  • vorausgegangener oder bestehender venöser Thrombose oder Lungenembolie
  • Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte
  • schwerer oder aktiver Lebererkrankung
  • bestimmten weiteren schweren kardiovaskulären Erkrankungen

Bei Frauen mit einer Brustkrebserkrankung, Thrombosen oder anderen relevanten Vorerkrankungen muss die Entscheidung individuell und gegebenenfalls gemeinsam mit einer gynäkologischen oder spezialisierten Fachärztin bzw. einem Facharzt getroffen werden.

Welche Alternativen gibt es?

Nicht jede Frau möchte oder kann Hormone einnehmen. Je nach Beschwerden kommen auch nicht-hormonelle Behandlungen infrage. Bei vaginaler Trockenheit und Beschwerden des Urogenitaltraktes sind beispielsweise lokale Maßnahmen wie Feuchtigkeitscremes, Gleitmittel oder eine niedrig dosierte lokale vaginale Östrogentherapie möglich. Bei Hitzewallungen können unter anderem bestimmte Antidepressiva, Gabapentin oder weitere nicht-hormonelle Medikamente eingesetzt werden. Auch regelmäßige Bewegung, Krafttraining, Gewichtsnormalisierung, Schlafhygiene und der Verzicht auf starke Trigger wie Alkohol können Beschwerden reduzieren.

Unser Ziel

Die Menopause ist ein natürlicher Lebensabschnitt – die damit verbundenen Beschwerden müssen jedoch nicht einfach hingenommen werden. Ob eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist, hängt von Ihren Beschwerden, Ihrem Alter, dem Zeitpunkt der Menopause sowie Ihren persönlichen Risiken und Wünschen ab. Unser Ziel ist eine individuelle, möglichst niedrig dosierte und gut überwachte Therapie, wenn die Vorteile für Sie gegenüber den möglichen Risiken überwiegen.