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Testosteronmangel beim Mann – wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten

Testosteronmangel

Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Testosteronproduktion bei vielen Männern allmählich ab. Neben dem Alter können insbesondere Übergewicht und Adipositas, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Erkrankungen, Schlafstörungen und bestimmte Medikamente zu einem niedrigen Testosteronspiegel beitragen. Dabei besteht häufig ein Wechselspiel: Ein niedriger Testosteronspiegel kann die Zunahme von Körperfett und den Verlust von Muskelmasse begünstigen, während insbesondere ausgeprägtes Übergewicht wiederum den Testosteronhaushalt beeinträchtigen kann.

Welche Beschwerden kann ein Testosteronmangel verursachen?

Ein Testosteronmangel kann sich sehr unterschiedlich äußern. Typische Beschwerden sind:

  • nachlassende Libido und sexuelles Interesse, Erektionsstörungen
  • Müdigkeit und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Antriebsminderung, verminderte Motivation, depressive Stimmung
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft
  • Zunahme des Körperfetts, insbesondere am Bauch
  • verminderte Knochendichte und erhöhtes Osteoporoserisiko
  • Blutarmut (Anämie)

Nicht jede dieser Beschwerden ist allerdings durch einen Testosteronmangel bedingt. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig, bevor eine Behandlung begonnen wird.

Wann kann eine Testosterontherapie sinnvoll sein?

Bei einem nachgewiesenen Testosteronmangel mit entsprechenden Beschwerden kann eine Testosteronersatztherapie die Lebensqualität deutlich verbessern. Studien zeigen insbesondere positive Effekte auf sexuelle Beschwerden, Muskelmasse und Muskelkraft, Knochenstoffwechsel und eine bestehende Anämie. Auch die Körperzusammensetzung kann sich günstig verändern. Eine Testosterontherapie ist jedoch kein Anti-Aging-Medikament und sollte nicht allein aufgrund des Alters oder eines einzelnen niedrigen Laborwertes begonnen werden. Insbesondere bei Übergewicht sollte zunächst geprüft werden, ob durch Gewichtsreduktion und die Behandlung begünstigender Faktoren eine Verbesserung des Testosteronhaushalts erreicht werden kann.

Wie wird ein Testosteronmangel diagnostiziert?

Die Diagnose wird aus Beschwerden und wiederholt erniedrigten Testosteronwerten gestellt. Eine einmalige Blutuntersuchung reicht hierfür nicht aus. Das Gesamt-Testosteron wird möglichst morgens zwischen 7 und 10 Uhr und nüchtern bestimmt, da die Konzentration im Tagesverlauf schwankt. Bei einem erniedrigten Wert wird die Messung an einem weiteren Morgen wiederholt. Zusätzlich können SHBG und das freie bzw. berechnete freie Testosteron bestimmt werden, insbesondere bei Übergewicht oder wenn der Gesamt-Testosteronwert nicht eindeutig einzuordnen ist. Mit LH und FSH lässt sich unterscheiden, ob die Ursache des Testosteronmangels überwiegend im Hoden oder in der hormonellen Steuerung durch Hypophyse und Hypothalamus liegt. Je nach Befund können weitere Untersuchungen, beispielsweise Prolaktin oder eine Abklärung der Hypophyse, notwendig sein. Vor Beginn einer Testosterontherapie werden außerdem unter anderem Blutbild/Hämatokrit und – abhängig von Alter und Risikoprofil – der PSA-Wert kontrolliert.

Wie wird Testosteron ersetzt?

Eine häufig eingesetzte Form der Behandlung ist Testosterongel, das täglich auf die Haut aufgetragen wird. Bei Testogel Dosiergel 16,2 mg/g beträgt die übliche Anfangsdosis beispielsweise 2 Pumpenhübe entsprechend 40,5 mg Testosteron einmal täglich. Die Dosis kann abhängig von Beschwerden und gemessenem Testosteronspiegel schrittweise angepasst werden. Das Gel wird morgens auf trockene, intakte Haut von Schultern und Oberarmen aufgetragen und anschließend mit Kleidung bedeckt. Hände sollten nach der Anwendung gründlich gewaschen werden. Wichtig ist außerdem, einen direkten Hautkontakt anderer Personen mit der behandelten Haut zu vermeiden, da Testosteron über die Haut übertragen werden kann. Die Therapie soll nicht zu möglichst hohen Testosteronwerten führen. Ziel ist vielmehr, einen physiologischen Testosteronspiegel zu erreichen und gleichzeitig die Beschwerden des Patienten zu verbessern.

Erhöht Testosteron das Risiko für Prostatakrebs?

Die Sorge, dass eine Testosteronersatztherapie Prostatakrebs verursacht, ist weit verbreitet. Nach der heutigen Studienlage gibt es jedoch keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass eine korrekt durchgeführte Testosteronersatztherapie bei Männern mit Hypogonadismus das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöht. Auch die große randomisierte TRAVERSE-Studie mit mehr als 5.200 Männern zeigte unter einer Testosterontherapie keinen Anstieg von Prostatakrebs gegenüber Placebo. Allerdings können Studien mit einer begrenzten Nachbeobachtungszeit ein sehr langfristiges Krebsrisiko nicht vollständig ausschließen. Deshalb wird vor Beginn der Behandlung das individuelle Prostatakrebsrisiko berücksichtigt und die Prostata beziehungsweise der PSA-Wert während der Therapie kontrolliert. Bei bekanntem oder vermutetem Prostatakarzinom darf eine Testosterontherapie nicht ohne entsprechende urologische Abklärung begonnen werden.

Welche Kontrollen sind während der Therapie notwendig?

Etwa 3 Monate nach Therapiebeginn werden insbesondere der Testosteronspiegel und das Blutbild mit Hämatokrit kontrolliert. Je nach Alter und individuellem Risiko wird auch der PSA-Wert überprüft. Gleichzeitig wird beurteilt, ob sich die Beschwerden gebessert haben und ob Nebenwirkungen aufgetreten sind. Bei einer Neueinstellung erfolgen weitere Kontrollen nach 6 und 12 Monaten. Ist die Therapie anschließend stabil eingestellt, sind jährliche Kontrollen in der Regel ausreichend. Ein besonderer Augenmerk gilt dem Hämatokrit, da Testosteron die Bildung roter Blutkörperchen stimulieren kann. Bei einem deutlich erhöhten Hämatokrit muss die Behandlung angepasst oder vorübergehend unterbrochen werden. Auch der PSA-Wert wird regelmäßig überwacht. Ein deutlicher Anstieg des PSA-Wertes oder ein auffälliger Tastbefund der Prostata sollte urologisch abgeklärt werden.

Unser Ziel

Eine Testosteronersatztherapie sollte immer individuell entschieden werden. Entscheidend sind nicht allein Laborwerte, sondern das Zusammenspiel aus typischen Beschwerden, wiederholt erniedrigten Testosteronwerten, der Ursache des Hormonmangels und den individuellen Risiken und Begleiterkrankungen. Wenn bei Ihnen Beschwerden bestehen, die zu einem Testosteronmangel passen, können wir gemeinsam klären, ob eine hormonelle Diagnostik sinnvoll ist und ob eine Behandlung infrage kommt.